Erläuterung der Proteste auf der Westtribüne beim Spiel gegen die SG Wattenscheid 09

Nachdem der Sportsender Sport1 (ehemals DSF) vor ein paar Jahren die Rechte an der 2. Bundesliga verloren hatte, will der Sender das eher spärlich gefüllte Programm jetzt mit der Regionalliga aufstocken. Dafür schüttet dieser gerade mal rund 3000 Euro pro Verein aus. Ihr könnt euch vorstellen, was unserem Verein bei der Verlegung der Spiele vom Wochenende auf einen Montag für Einnahmen flöten gehen, alleine am Bierstand. Des Weiteren sehen wir das TV-Diktat allgemein in der Fußballwelt kritisch.

Wir sind in den unteren Ligen eher weniger betroffen, insbesondere aber in der 1. und 2. Bundesliga haben die Fans stark unter der Zerstückelung des Spieltages zu leiden, nur damit dem „Fan“ vor dem Fernseher auch alle Spiele mundgerecht serviert werden können. Freitagabendspiele gab es schon immer und auch bei uns hatten sie schon immer ihren Reiz. Die englische Woche, die aus terminlichen Gründen eingeführt wurde, wurde mittlerweile ebenso akzeptiert, aber ansonsten gehört der Fußball dem Wochenende!

Stellt euch vor, ihr müsst alle paar Wochen freitags eure hart verdienten Überstunden abbauen, nur um pünktlich beim Auswärtsspiel unseres Vereins zu sein. Oder falls es irgendwann mal wieder nach Kiel geht, reicht wahrscheinlich nur ein voller Urlaubstag. Auch die vermehrten Sonntagstermine sind zu kritisieren, so gehörte dieser in der Vergangenheit immer den Amateurkickern. Zuschauer und Aktive der Amateurvereine müssen sich inzwischen häufig zwischen ihren lokalen Teams und dem Spiel ihres Lieblingsvereins der 1. oder 2. Bundesliga entscheiden, egal ob als regelmäßiger Stadionbesucher oder TV-Zuschauer. Dass die Entscheidung hier oft zum Nachteil für den Amateurklub ausfällt, sehen wir langfristig als große Gefahr für den Fußball als Breitensport.

Wir wollten vergangenen Montag mit euch zusammen an der Hafenstraße zeigen, was wir von dieser TV-Diktatur halten und bedanken uns nochmal bei allen Fans auf der Westtribüne, die sich dieser Protestform angeschlossen haben. Man sieht bei den aktuellen Fanprotesten der Fanszenen in Deutschland, die medienwirksam vonstattengegangen sind, dass der Fußball in Deutschland noch nicht ganz verloren ist. Die Montagsspiele z.B. werden ab der Saison 2020/21 wieder abgeschafft. Dennoch gibt es noch viele weitere Themen, die es anzupacken gilt.

Zum Schluss noch ein Wink in Richtung unserer Geschäftsführung, die doch bitte in Zukunft die Proteste der Fans ernst nehmen sollte und nicht noch torpedieren muss, wenn Banner auf der Rahn-Tribüne ausgelegt werden und dort mit Stadionverbote gedroht wird. Man erhofft sich von Vereinsseite immer „friedliche“ Proteste, dann sollte man auch nicht gegen solche Proteste arbeiten. Denn Meinungsfreiheit gilt nicht nur auf der Westtribüne bei uns an der Hafenstraße.

Vier Ligen, vier Meister, vier Aufsteiger – Regionalliga Reform jetzt!

„Meister müssen aufsteigen!“ lautet die Forderung, die in den letzten Jahren regelmäßig in deutschen Stadien propagiert wurde, was deutlich zeigt, wie allgegenwärtig die Problematik rund um die Aufstiegsregelung der Regionalligen ist. Einhergehend mit der bisweilen letzten Reform 2012, wurde die zuvor dreigleisige Regionalliga fünfgleisig. Dies hatte zur Folge, dass die drei bestehenden Aufstiegsplätze in einer Relegationsrunde ausgespielt werden, bestehend aus den Meistern jeder Liga und dem Zweiten der mitgliederstärksten Regionalliga Südwest. In der Konsequenz wurde damit der Ertrag einer gesamten Saison von Hin- und Rückspiel in der Relegation abhängig gemacht. Ein solches Verfahren ist mit den Grundsätzen des Sportes in keiner Weise vereinbar, ganz zu schweigen von den wirtschaftlich, teils existenziellen, Konsequenzen, die ein solcher Verbleib in der Regionalliga für die, oftmals ohnehin schon klammen, Vereine nach sich zieht. Im Laufe der vergangenen Jahre kam auch bei immer mehr Funktionären langsam, aber sicher die Einsicht, dass der Status quo nicht weiter hinnehmbar ist, sodass die Weichen für eine erneute Reform gestellt werden sollten. Die Möglichkeit dies mit Inhalt zu füllen, wurde aufgrund von Eitelkeiten innerhalb der Verbände und diverser anderer Unzulänglichkeiten verpasst. Vielmehr gab es eine Übergangslösung, die dem Fairnesscharakter nicht im Ansatz gerecht wird und die Vereine teils sogar zu einem Wettrüsten animiert, bei dem die Vereine gezwungen sind, ein hohes finanzielles Risiko einzugehen. Eine vom DFB ins Leben gerufene „ad-hoc AG“ machte nur durch mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation, Statements, die im Anschluss wieder revidiert wurden und durch ihre Auflösung, mangels neuer Lösungsansätzen, von sich reden.

Bereits zuvor hatte sich im Zuge des Zusammenschlusses „Fanszenen Deutschlands“ eine, eigens für diese Thematik geschaffene, Arbeitsgruppe eingefunden. Das erklärte Ziel war es die Notwendigkeit einer Reform präsent zu halten und die damit verbundenen Probleme auszuwerten. Mit einem Fragebogen für Vereine und Fanszenen, sowie mit persönlichen Gesprächen, wurde versucht eine mögliche Reform, unter Betrachtung aller problematischer Gesichtspunkte, zu evaluieren. Hieraus resultierend wurden Kernpunkte erarbeitet, die aus unserer Sicht für eine Regionalliga Reform unerlässlich sind, wenn man vermeiden will, sich in absehbarer Zeit mit einer erneuten Reform befassen zu müssen.

Die Kernpunkte und die Auswertungen der Fragebögen, wurden der ad-hoc-AG des DFB in einem persönlichen Austausch offengelegt. Dieser Austausch ist als unzufriedenstellend zu bewerten, da immer wieder die Verantwortung von sich gewiesen wurde und auch die von uns gewonnenen Erkenntnisse nicht ausreichend weiterverwertet wurden. Bis zum heutigen Tage liegt noch nicht ein einziger fundierter Reformvorschlag vor, vielmehr scheint es als hätten sich die Fronten zwischen den Beteiligten weiter verhärtet und das sich gegenseitig ausgesprochene Vertrauen scheint erloschen. Insbesondere die Rücknahme des Eingeständnisses, eines weiteren Absteigers in Liga 3, zugunsten einer Reform mit vier Ligen und vier Aufsteigern, ist eine mehr als deutliche Reaktion auf die stagnierenden Fortschritte. Durch diese Entwicklung bestärkt ist es uns ein Anliegen, nunmehr einen eigenen Reformvorschlag zur Debatte zu stellen. Dieser befasst sich neben der Kernproblematik „Aufstiegsregelung“, auch mit grundsätzlichen Problemen, wie fehlende ligaübergreifende Strukturen, der geografischen Aufteilung der Ligen und der Rolle von Zweitvertretungen innerhalb der Liga. Wir hoffen, dass durch diesen Reformvorschlag nunmehr eine Grundlage gegeben ist, um sich endlich tiefgehend und ergebnisorientiert mit der Situation zu befassen. Die Regionalliga, in ihrer Form als Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball, hat in den vergangenen Jahren an immer größerer Bedeutung gewonnen und sollte daher nicht weiter als Bühne für Unvermögen und Eitelkeiten der Funktionäre herhalten müssen. Viel eher sollte sie von Werten der sportlichen Fairness und Chancengleichheit geprägt sein. Daher fordern wir alle Beteiligten auf, persönliche Empfindlichkeiten hinter diesen Werten hintenanzustellen und basierend auf diesem Reformvorschlag eine Lösung zu erarbeiten in denen sich alle Beteiligten wiederfinden können.

Es hat gerade erst begonnen!

Achtungserfolg

Als Achtungserfolg bezeichnet man gemeinhin einen kleineren Sieg, der im Gesamtzusammenhang keine größere Bedeutung hat. Damit lässt sich auch die aktuelle Situation der Fanszenen Deutschlands ganz treffend beschreiben. In der DFL-Versammlung wurde der Erhalt von 50+1 beschlossen und durch deutlich sichtbare Proteste in den Stadien scheint sich das Problem der Montagsspiele in der 1. und. 2. Bundesliga mit der nächsten TV-Rechtevergabe zu erledigen. Trotz klarer Entscheidung zur Beibehaltung der 50+1-Regel, ist sie nach wie vor Angriffen ausgesetzt und auch der Weg von der Abschaffung der Montagsspiele hin zu generell fanfreundlichen Anstoßzeiten ist noch weit. Genau der richtige Zeitpunkt, nochmals an unsere Positionen zu erinnern:

Anstoßzeiten 

Montagsspiele müssen in allen Ligen abgeschafft werden. Keine englischen Wochen mehr. Freitags und im DFB-Pokal nicht vor 19.30 Uhr, am Wochenende nicht vor 14 Uhr, sonntags nicht nach 15.30 Uhr und Einhaltung der 300-km Klausel für Randspieltage. 50+1 • 50+1 faktisch und dem Sinn nach erhalten, keine Aufweichung, keine weiteren Ausnahmen. Die klare Position zu 50+1 ist von den Vereinen auch gegenüber dem Kartellamt zu vertreten.

Stadionverbote

Verzicht auf das „Breitbandantibiotikum“ Stadionverbote. Vereine und Verbände maßen sich hier Zuständigkeiten weit über ihren Hausrechtsbereich hinaus an. Ein Stadionverbot ist eine Strafe ohne offenen Rechtsweg.

Sportgerichtsbarkeit 

Abkehr von der sogenannten Sportgerichtsbarkeit. Transparenz und Vergleichbarkeit der Strafen sind in der momentanen Praxis nicht ansatzweise gegeben. Fanmaterialien • Freigabe aller Fanmaterialien in allen deutschen Ligen. Verbote schaffen sinnloses Konfliktpotential.

Videobeweis

Abschaffung des Videobeweises. Emotionen unter Vorbehalt entwerten das Stadionerlebnis.

Transparenz 

Des Weiteren müssen DFB, DFL und Vereine endlich offen, zeitnah und verbindlich zu fanrelevanten Themen kommunizieren. Beispielsweise muss das Abstimmungsverhalten bei Verbandssitzungen den Vereinsmitgliedern transparent gemacht werden. Ebenso wie anstehende Themen und Entscheidungen, nur so ist echte Meinungsbildung innerhalb der Vereine möglich.

Es hat gerade erst begonnen!

Die Fanszenen Deutschlands im Januar 2019

Eine Stadt, zwei Farben

Vergangene Woche verschönerte ein Team der Westtribüne Essen den Kühlcontainer zwischen Trainingsgelände und Stadion. Wir bedanken uns dafür herzlich bei David Ulrich, der uns die Fläche zur Verfügung gestellt hat, um so einer weiteren farblosen Wand in unserer Stadionumgebung, einen rot-weissen Anstrich zu verpassen. Ebenso gilt unser Dank auch allen Fördermitgliedern, ohne denen auch solche kleinen Projekte nicht möglich wären. Wer eine freie Fläche (z.B. Fassade, Garage, Mauerwerk, Hofeinfahrt) zur Verfügung hat, die gut sichtbar zur Straße liegt, kann sich bei Interesse an so einer Gestaltung an uns wenden. Wir besprechen dann gerne gemeinsam, wie wir unsere Stadt und ihre Stadtteile mit den schönsten Farben der Stadt verschönern können.

Bei Interesse bitte per E-Mail an info@westtribuene-essen.de

 

Die Partie Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen geht heute in die 11.Auflage seit 2013 und gehört nicht umsonst zu den Spielen mit dem höchsten Fanaufkommen in der Regionalliga. Es treffen zwei ungemein traditionsreiche Vereine aufeinander und die Sympathien für den Gegenüber liegen weit unter null. Daher wird es auf den ersten Blick sehr verwundern, dass wir uns gemeinsam, als aktive Fanszenen beider Vereine, mit den nachfolgenden Zeilen an Euch richten. Die Thematik rund um das neue Polizeigesetz des Landes Nordrhein-Westfalen betrifft uns alle in gleichem Maße und steht über jeder Rivalität und Abneigung. Folglich soll Euch dieser gemeinsame Text auf die Problematiken aufmerksam machen und Euch dafür sensibilisieren für Eure Rechte und Grundwerte aufzustehen!

Nein zum neuen Polizeigesetz in NRW – Nein zum Polizeistaat

Was ist das neue Polizeigesetz NRW?

In den nächsten Wochen entscheidet der nordrhein-westfälische Landtag über die Verabschiedung eines neuen Polizeigesetzes. Angelehnt an das in Kraft getretene bayrische PAG – gegen das bereits ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist – sollen die polizeilichen Eingriffsbefugnisse massiv ausgeweitet werden. 
Teilweise darf die Polizei demnach schon bei einer „drohenden Gefahr“ eingreifen. Was dramatisch klingt, entpuppt sich als begrifflich irreführend: Für eine „drohende Gefahr“ ist gerade nicht erforderlich, dass eine Straftat konkret absehbar ist. Bei wem also die reine Vermutung besteht, er könne Straftaten begehen, der wird zum „Gefährder“. Ohne eindeutige Anhaltspunkte können Menschen folglich in Zukunft durch die Polizei in ihrer Freiheit beeinträchtigt werden. Darüber hinaus werden zahlreiche neue Maßnahmen wie das Kontaktverbot zu Mitmenschen, die Telefonüberwachung ohne konkreten Tatverdacht oder die bis zu einem Monat andauernde Freiheitsentziehung ohne einen vorherigen Strafprozess eingeführt – alles natürlich rein präventiv, ohne dass eine konkrete Straftat bevorstünde.

Wo ist das Problem dabei?

Begründet werden die Maßnahmen mit einer Stärkung der „Terrorabwehr“. Abgesehen davon, dass die Argumentation einer „terroristischen Bedrohung“ keine empirische Grundlage hat, widerlegt sie sich in der gesetzlichen Neufassung selbst: Wie die „Terrorabwehr“ durch vereinfachtes polizeiliches Einschreiten bei der schwammigen Möglichkeit von Alltagskriminalität (einschlägige Delikte sind u.a. Betrug) gestärkt werden soll, weiß niemand so recht. Die allgemeine Kriminalität wiederum lag im Jahr 2017 rein statistisch auf dem niedrigsten Wert seit 1992. Es erhärtet sich viel mehr der Eindruck, dass der Staat sich bewusst vorbehält gegen sämtliche unbequeme Akteure wie Demonstranten, Gewerkschafter oder eben Fußballfans vereinfacht vorzugehen. 
Deutlich wird: Durch das neue Gesetz formiert sich ein autoritär denkender Staat, dessen Idealbild ein Bürger in vorauseilendem Gehorsam ist. In Zukunft sieht man besser nicht einmal mehr so aus, als plane man etwas Verbotenes. Durch die unklare Rechtsgrundlage ist polizeilicher Willkür Tor und Tür geöffnet. 

Und was habe ich damit zu tun?

Wenn du diesen Flyer liest, wirst du wahrscheinlich ein Fußballfan sein. Vielleicht fährst du auch hin und wieder zu einem Auswärtsspiel. Wer mal mit dem Zug gefahren ist, der weiß: Ärger gibt es irgendwo immer. Du hast nichts damit zu tun? In Zukunft nicht mehr so wichtig. Zur falschen Zeit am falschen Ort und die Personalien sind schnell aufgenommen. Vor dem nächsten Spiel folgen dann weitere Präventivmaßnahmen, vielleicht darfst du als „Gefährder“ gar nicht mehr anreisen. Schließlich warst du schon einmal Adressat einer polizeilichen Maßnahme. Ungerecht und absurd? Richtig, aber bei derart weitläufigen Befugnissen der Polizei werden solche Fälle folgen. Und für ein Gesetz, das auf Abschreckung setzt, nur ein Kollateralschaden. 

Aber ich habe doch nichts zu verbergen!

Wirklich? Stört es dich nicht, wenn die Polizei deine intimsten WhatsApp-Chats mitlesen kann, weil einer deiner Kontakte, vielleicht auch nur unberechtigt, ins Fadenkreuz geraten ist? Es geht nicht darum, ob Du etwas Konkretes zu verbergen hast – es geht darum, dass auch Du ein Recht darauf hast, in deinem Privatleben in Ruhe gelassen zu werden.
Aber gerade, wenn du meinst, nichts zu verbergen zu haben, solltest Du dich in besonderem Maße angesprochen fühlen: Denn insbesondere Menschen, die zufällig verdächtig wirken könnten, klassisch zur falschen Zeit am falschen Ort sind, können jetzt auch polizeilich eingeschränkt werden. 

Und was passiert jetzt?

Im Oktober wird über das Gesetz abgestimmt. Eine vorherige Sitzung des Innenausschusses führte zu keinen Änderungen. Es liegt sogar nahe, dass diese einzig das Kalkül hatte, eine Reaktion auf den Protest zu simulieren. Äußerungen, wie die

von Innenminister Reul in einem Fernsehinterview, er höre nicht auf „Gebrüll“, bezogen auf die Demonstrationen, legen diesen Schluss nahe.
Offen ist, ob noch Korrekturen folgen werden. Selbst wenn es solche geben sollte, ist davon auszugehen, dass sie kosmetischer Natur sind und den obrigkeitsstaatlichen Charakter der Gesetzesnovelle nicht verändern. 
Die Kritik am neuen Polizeigesetz verdient folglich erhöhte Aufmerksamkeit. Als Fußballfans werden wir als Erste betroffen sein. Also tragen wir den Protest in die Stadien.

,,Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten. Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns.‘‘

So schlossen wir vor rund einem Monat unsere Erklärung zu dem Abbruch der Gespräche mit den Verbänden. Wir führten dabei aus, dass der Beitritt der Fanseite zu einem wie auch immer gearteten ,,runden Tisch‘‘ keine Verbesserung für jene Fanseite mit sich gebracht hat und wohl auch nicht bringen wird. Viel mehr handelte es sich bei den Gesprächen um eine für die Verbände gesichtswahrende Vorgabe von Dialogbereitschaft, ohne dabei jedoch gewillt zu sein, tatsächliche Verbesserungen im Sinne der Fußballfans durchzusetzen. Auch die geleakten E-Mails zwischen DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinem Vizepräsident Rainer Koch haben uns gezeigt, dass der Abbruch der Gespräche ein richtiger Schritt war.

Diese Resignation bezieht sich dabei jedoch einzig und allein auf die besagten Gespräche, nicht jedoch auf unseren grundsätzlichen Kampf für einen anderen Fußball. Einen Fußball, der sich an der Basis orientiert, statt die Spirale in immer neue Höhen zu drehen. Der den Fokus auf die Fans legt, statt sich nur nach Investoren und dem großen Geld zu richten.

Wenn die Anliegen der Fans in Gesprächen kein Gehör finden, dann vertreten wir sie wieder dort, wo man uns nicht ignorieren kann: In unseren Stadien und Kurven. Wir haben angekündigt, dass man von uns hören wird und setzen das in der kommenden englischen Woche, dem 10. Spieltag, um.

In den ersten 20 Minuten werden wir auf einen wie üblich organisierten Support verzichten. Stattdessen werden wir unseren Protest in die Stadien tragen und zeigen, dass die große Masse an Fans nicht damit einverstanden ist, was einige wenige Funktionäre mit unserem geliebten Fußball veranstalten. Über diesen Protest werden wir auch die Mannschaft informieren.

Schließt euch den Protesten an, um ein einheitliches und starkes Zeichen zu setzen! Zeigt denen da oben, dass die Fans in den Stadien nicht gewillt sind, immer neue Auswüchse der Kommerzialisierung und Entfremdung in Kauf zu nehmen!

Die Fanszenen Deutschlands im September 2018

JETZT ERST RECHT!

Vor rund zwölf Monaten schlossen sich bundesweit die Fankurven zusammen, um sich der voranschreitenden Zerstörung des Fußballs wie wir ihn kennen entgegen zu stellen. Nachdem medial zahlreiche Versuche all jener, die sich von dieser Kampagne in die Enge getrieben fühlten, misslangen, mussten sich diese Verantwortlichen bei DFB und DFL in den kommenden Monaten an ihren öffentlichen Aussagen messen lassen.

Die anfängliche Euphorie wich in den zwei erfolgten Standpunktgesprächen zwischen Vertretern der Fanszenen Deutschlands mit den Verantwortlichen aus DFB und DFL schnell. Viel mehr verfestigte sich abermals der Eindruck, man wolle diesen Dialog wie in den vergangenen Jahrzehnten nutzen, um mit einem medienwirksamen Gesprächsangebot und netten Worten die Taten um jeden Preis zu vermeiden.

Eine Mitschuld an den Entwicklungen tragen in zahlreichen Fällen auch die Vereinsvertreter. Oftmals offenbarte ein Blick hinter die Kulissen, dass Vertreter der Vereine im Innenverhältnis gegenüber den eigenen Fanvertretern Verständnis und Zusagen geben, um innerhalb der Liga-/Verbandsversammlungen dann genau gegenteilig zu agieren. Auch fehlt es hier ganz klar an einer lösungsorientierten Vernetzung und Eigeninitiative. Insbesondere in der Causa um die 50+1-Regel zeigte der Vorstoß des Vertreters vom FC St. Pauli eindrucksvoll, dass es unter den Vereinsvertretern deutlich Spielraum für mehr Eigeninitiative gibt, der noch ungenutzt ist. Die Vereinsvertreter sind mit Nichten die Abnicker von kommerziellen Plänen der Deutschen Fussball Liga, die allein aus Selbsterhaltungszwecken die Vermarktung der Ware Fussball vorantreiben muss. Die Vereinsvertreter sind die, die Werte und Wünsche der Basis aus Mitgliedern und Fans ihrer Vereine vertreten sollen.

Nur wenige Tage nach dem zweiten Gespräch stellte sich heraus, dass ab der Saison 2018/2019 sogar die 3. Liga einen Montagsspieltag haben wird, was im Rahmen des Gesprächs zu keinem Zeitpunkt seitens der Verbände angebracht wurde, obwohl mit Thomas Schneider eine selbsternannte Person mit der Kernkompetenz Faninteressen vertreten war. Alleine hier hätte die Brisanz des Themas auffallen müssen. Stattdessen wurde mit einer Pilotphase für die einheitliche Behandlung von Fanutensilien ein neuer Papiertiger geschaffen, der bis heute keine Ergebnisse vorzuweisen hat. In puncto Sportsgerichtbarkeit goss der DFB seine bisher intransparenten Strafen in horrenden Höhen lediglich in Formen und manifestierte sein willkürliches Ersatzstrafrecht in einem Strafenkatalog. Auch hier kann weder von einer Verbesserung im Sinne von Vereinen und Fans keine Rede sein. Von Transparenz fehlt weiterhin jede Spur, was auch die bis heute mangelnde Aufklärung der Causa Beckenbauer in Zusammenhang mit den Sommermärchen-Millionen oder im Falle des Funktionärs Curtius sehr eindrucksvoll widerspiegelt. Die vermeintliche Neurregelung der Regionalligen wurde in einem Hauruckmanöver zu einem Glücksspiel umfunktioniert, anstatt eine klare Regelung zu finden. Wir können diese Liste Punkt für Punkt abarbeiten um letztendlich unter dem Strich festzuhalten: Dem DFB und der DFL sind sich weder dem Gegenwert dieser ausgestreckten Hand der Fanszenen Deutschlands, noch den Konsequenzen dieser mangelnden Wertschätzung der Basis in den Stadien bewusst. Stattdessen manifestierte sich viel mehr der Eindruck, dass der Fussballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen.

Aus diesem Grund sehen wir keine andere Möglichkeit, als die Gespräche mit sofortiger Wirkung zu beenden und den Protest noch engagierter als zuvor in die Stadien zu tragen.

Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fussballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fussballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten. Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns.

Ihr werdet auch in dieser Saison von uns hören!

Die Fanszenen Deutschlands im August 2018

Hafenblatt 3

Beim ersten Heimspiel der Saison 2018/2019 gegen Wuppertal habt ihr die Möglichkeit Restbestände unserer dritten Auflage des Hafenblatt’s für 3€ am Stand zu erwerben!