Erläuterung der Proteste auf der Westtribüne beim Spiel gegen die SG Wattenscheid 09

Nachdem der Sportsender Sport1 (ehemals DSF) vor ein paar Jahren die Rechte an der 2. Bundesliga verloren hatte, will der Sender das eher spärlich gefüllte Programm jetzt mit der Regionalliga aufstocken. Dafür schüttet dieser gerade mal rund 3000 Euro pro Verein aus. Ihr könnt euch vorstellen, was unserem Verein bei der Verlegung der Spiele vom Wochenende auf einen Montag für Einnahmen flöten gehen, alleine am Bierstand. Des Weiteren sehen wir das TV-Diktat allgemein in der Fußballwelt kritisch.

Wir sind in den unteren Ligen eher weniger betroffen, insbesondere aber in der 1. und 2. Bundesliga haben die Fans stark unter der Zerstückelung des Spieltages zu leiden, nur damit dem „Fan“ vor dem Fernseher auch alle Spiele mundgerecht serviert werden können. Freitagabendspiele gab es schon immer und auch bei uns hatten sie schon immer ihren Reiz. Die englische Woche, die aus terminlichen Gründen eingeführt wurde, wurde mittlerweile ebenso akzeptiert, aber ansonsten gehört der Fußball dem Wochenende!

Stellt euch vor, ihr müsst alle paar Wochen freitags eure hart verdienten Überstunden abbauen, nur um pünktlich beim Auswärtsspiel unseres Vereins zu sein. Oder falls es irgendwann mal wieder nach Kiel geht, reicht wahrscheinlich nur ein voller Urlaubstag. Auch die vermehrten Sonntagstermine sind zu kritisieren, so gehörte dieser in der Vergangenheit immer den Amateurkickern. Zuschauer und Aktive der Amateurvereine müssen sich inzwischen häufig zwischen ihren lokalen Teams und dem Spiel ihres Lieblingsvereins der 1. oder 2. Bundesliga entscheiden, egal ob als regelmäßiger Stadionbesucher oder TV-Zuschauer. Dass die Entscheidung hier oft zum Nachteil für den Amateurklub ausfällt, sehen wir langfristig als große Gefahr für den Fußball als Breitensport.

Wir wollten vergangenen Montag mit euch zusammen an der Hafenstraße zeigen, was wir von dieser TV-Diktatur halten und bedanken uns nochmal bei allen Fans auf der Westtribüne, die sich dieser Protestform angeschlossen haben. Man sieht bei den aktuellen Fanprotesten der Fanszenen in Deutschland, die medienwirksam vonstattengegangen sind, dass der Fußball in Deutschland noch nicht ganz verloren ist. Die Montagsspiele z.B. werden ab der Saison 2020/21 wieder abgeschafft. Dennoch gibt es noch viele weitere Themen, die es anzupacken gilt.

Zum Schluss noch ein Wink in Richtung unserer Geschäftsführung, die doch bitte in Zukunft die Proteste der Fans ernst nehmen sollte und nicht noch torpedieren muss, wenn Banner auf der Rahn-Tribüne ausgelegt werden und dort mit Stadionverbote gedroht wird. Man erhofft sich von Vereinsseite immer „friedliche“ Proteste, dann sollte man auch nicht gegen solche Proteste arbeiten. Denn Meinungsfreiheit gilt nicht nur auf der Westtribüne bei uns an der Hafenstraße.