Eine Stadt, zwei Farben

Vergangene Woche verschönerte ein Team der Westtribüne Essen den Kühlcontainer zwischen Trainingsgelände und Stadion. Wir bedanken uns dafür herzlich bei David Ulrich, der uns die Fläche zur Verfügung gestellt hat, um so einer weiteren farblosen Wand in unserer Stadionumgebung, einen rot-weissen Anstrich zu verpassen. Ebenso gilt unser Dank auch allen Fördermitgliedern, ohne denen auch solche kleinen Projekte nicht möglich wären. Wer eine freie Fläche (z.B. Fassade, Garage, Mauerwerk, Hofeinfahrt) zur Verfügung hat, die gut sichtbar zur Straße liegt, kann sich bei Interesse an so einer Gestaltung an uns wenden. Wir besprechen dann gerne gemeinsam, wie wir unsere Stadt und ihre Stadtteile mit den schönsten Farben der Stadt verschönern können.

Bei Interesse bitte per E-Mail an info@westtribuene-essen.de

 

Die Partie Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen geht heute in die 11.Auflage seit 2013 und gehört nicht umsonst zu den Spielen mit dem höchsten Fanaufkommen in der Regionalliga. Es treffen zwei ungemein traditionsreiche Vereine aufeinander und die Sympathien für den Gegenüber liegen weit unter null. Daher wird es auf den ersten Blick sehr verwundern, dass wir uns gemeinsam, als aktive Fanszenen beider Vereine, mit den nachfolgenden Zeilen an Euch richten. Die Thematik rund um das neue Polizeigesetz des Landes Nordrhein-Westfalen betrifft uns alle in gleichem Maße und steht über jeder Rivalität und Abneigung. Folglich soll Euch dieser gemeinsame Text auf die Problematiken aufmerksam machen und Euch dafür sensibilisieren für Eure Rechte und Grundwerte aufzustehen!

Nein zum neuen Polizeigesetz in NRW – Nein zum Polizeistaat

Was ist das neue Polizeigesetz NRW?

In den nächsten Wochen entscheidet der nordrhein-westfälische Landtag über die Verabschiedung eines neuen Polizeigesetzes. Angelehnt an das in Kraft getretene bayrische PAG – gegen das bereits ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist – sollen die polizeilichen Eingriffsbefugnisse massiv ausgeweitet werden. 
Teilweise darf die Polizei demnach schon bei einer „drohenden Gefahr“ eingreifen. Was dramatisch klingt, entpuppt sich als begrifflich irreführend: Für eine „drohende Gefahr“ ist gerade nicht erforderlich, dass eine Straftat konkret absehbar ist. Bei wem also die reine Vermutung besteht, er könne Straftaten begehen, der wird zum „Gefährder“. Ohne eindeutige Anhaltspunkte können Menschen folglich in Zukunft durch die Polizei in ihrer Freiheit beeinträchtigt werden. Darüber hinaus werden zahlreiche neue Maßnahmen wie das Kontaktverbot zu Mitmenschen, die Telefonüberwachung ohne konkreten Tatverdacht oder die bis zu einem Monat andauernde Freiheitsentziehung ohne einen vorherigen Strafprozess eingeführt – alles natürlich rein präventiv, ohne dass eine konkrete Straftat bevorstünde.

Wo ist das Problem dabei?

Begründet werden die Maßnahmen mit einer Stärkung der „Terrorabwehr“. Abgesehen davon, dass die Argumentation einer „terroristischen Bedrohung“ keine empirische Grundlage hat, widerlegt sie sich in der gesetzlichen Neufassung selbst: Wie die „Terrorabwehr“ durch vereinfachtes polizeiliches Einschreiten bei der schwammigen Möglichkeit von Alltagskriminalität (einschlägige Delikte sind u.a. Betrug) gestärkt werden soll, weiß niemand so recht. Die allgemeine Kriminalität wiederum lag im Jahr 2017 rein statistisch auf dem niedrigsten Wert seit 1992. Es erhärtet sich viel mehr der Eindruck, dass der Staat sich bewusst vorbehält gegen sämtliche unbequeme Akteure wie Demonstranten, Gewerkschafter oder eben Fußballfans vereinfacht vorzugehen. 
Deutlich wird: Durch das neue Gesetz formiert sich ein autoritär denkender Staat, dessen Idealbild ein Bürger in vorauseilendem Gehorsam ist. In Zukunft sieht man besser nicht einmal mehr so aus, als plane man etwas Verbotenes. Durch die unklare Rechtsgrundlage ist polizeilicher Willkür Tor und Tür geöffnet. 

Und was habe ich damit zu tun?

Wenn du diesen Flyer liest, wirst du wahrscheinlich ein Fußballfan sein. Vielleicht fährst du auch hin und wieder zu einem Auswärtsspiel. Wer mal mit dem Zug gefahren ist, der weiß: Ärger gibt es irgendwo immer. Du hast nichts damit zu tun? In Zukunft nicht mehr so wichtig. Zur falschen Zeit am falschen Ort und die Personalien sind schnell aufgenommen. Vor dem nächsten Spiel folgen dann weitere Präventivmaßnahmen, vielleicht darfst du als „Gefährder“ gar nicht mehr anreisen. Schließlich warst du schon einmal Adressat einer polizeilichen Maßnahme. Ungerecht und absurd? Richtig, aber bei derart weitläufigen Befugnissen der Polizei werden solche Fälle folgen. Und für ein Gesetz, das auf Abschreckung setzt, nur ein Kollateralschaden. 

Aber ich habe doch nichts zu verbergen!

Wirklich? Stört es dich nicht, wenn die Polizei deine intimsten WhatsApp-Chats mitlesen kann, weil einer deiner Kontakte, vielleicht auch nur unberechtigt, ins Fadenkreuz geraten ist? Es geht nicht darum, ob Du etwas Konkretes zu verbergen hast – es geht darum, dass auch Du ein Recht darauf hast, in deinem Privatleben in Ruhe gelassen zu werden.
Aber gerade, wenn du meinst, nichts zu verbergen zu haben, solltest Du dich in besonderem Maße angesprochen fühlen: Denn insbesondere Menschen, die zufällig verdächtig wirken könnten, klassisch zur falschen Zeit am falschen Ort sind, können jetzt auch polizeilich eingeschränkt werden. 

Und was passiert jetzt?

Im Oktober wird über das Gesetz abgestimmt. Eine vorherige Sitzung des Innenausschusses führte zu keinen Änderungen. Es liegt sogar nahe, dass diese einzig das Kalkül hatte, eine Reaktion auf den Protest zu simulieren. Äußerungen, wie die

von Innenminister Reul in einem Fernsehinterview, er höre nicht auf „Gebrüll“, bezogen auf die Demonstrationen, legen diesen Schluss nahe.
Offen ist, ob noch Korrekturen folgen werden. Selbst wenn es solche geben sollte, ist davon auszugehen, dass sie kosmetischer Natur sind und den obrigkeitsstaatlichen Charakter der Gesetzesnovelle nicht verändern. 
Die Kritik am neuen Polizeigesetz verdient folglich erhöhte Aufmerksamkeit. Als Fußballfans werden wir als Erste betroffen sein. Also tragen wir den Protest in die Stadien.

,,Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fußballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fußballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten. Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns.‘‘

So schlossen wir vor rund einem Monat unsere Erklärung zu dem Abbruch der Gespräche mit den Verbänden. Wir führten dabei aus, dass der Beitritt der Fanseite zu einem wie auch immer gearteten ,,runden Tisch‘‘ keine Verbesserung für jene Fanseite mit sich gebracht hat und wohl auch nicht bringen wird. Viel mehr handelte es sich bei den Gesprächen um eine für die Verbände gesichtswahrende Vorgabe von Dialogbereitschaft, ohne dabei jedoch gewillt zu sein, tatsächliche Verbesserungen im Sinne der Fußballfans durchzusetzen. Auch die geleakten E-Mails zwischen DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinem Vizepräsident Rainer Koch haben uns gezeigt, dass der Abbruch der Gespräche ein richtiger Schritt war.

Diese Resignation bezieht sich dabei jedoch einzig und allein auf die besagten Gespräche, nicht jedoch auf unseren grundsätzlichen Kampf für einen anderen Fußball. Einen Fußball, der sich an der Basis orientiert, statt die Spirale in immer neue Höhen zu drehen. Der den Fokus auf die Fans legt, statt sich nur nach Investoren und dem großen Geld zu richten.

Wenn die Anliegen der Fans in Gesprächen kein Gehör finden, dann vertreten wir sie wieder dort, wo man uns nicht ignorieren kann: In unseren Stadien und Kurven. Wir haben angekündigt, dass man von uns hören wird und setzen das in der kommenden englischen Woche, dem 10. Spieltag, um.

In den ersten 20 Minuten werden wir auf einen wie üblich organisierten Support verzichten. Stattdessen werden wir unseren Protest in die Stadien tragen und zeigen, dass die große Masse an Fans nicht damit einverstanden ist, was einige wenige Funktionäre mit unserem geliebten Fußball veranstalten. Über diesen Protest werden wir auch die Mannschaft informieren.

Schließt euch den Protesten an, um ein einheitliches und starkes Zeichen zu setzen! Zeigt denen da oben, dass die Fans in den Stadien nicht gewillt sind, immer neue Auswüchse der Kommerzialisierung und Entfremdung in Kauf zu nehmen!

Die Fanszenen Deutschlands im September 2018

JETZT ERST RECHT!

Vor rund zwölf Monaten schlossen sich bundesweit die Fankurven zusammen, um sich der voranschreitenden Zerstörung des Fußballs wie wir ihn kennen entgegen zu stellen. Nachdem medial zahlreiche Versuche all jener, die sich von dieser Kampagne in die Enge getrieben fühlten, misslangen, mussten sich diese Verantwortlichen bei DFB und DFL in den kommenden Monaten an ihren öffentlichen Aussagen messen lassen.

Die anfängliche Euphorie wich in den zwei erfolgten Standpunktgesprächen zwischen Vertretern der Fanszenen Deutschlands mit den Verantwortlichen aus DFB und DFL schnell. Viel mehr verfestigte sich abermals der Eindruck, man wolle diesen Dialog wie in den vergangenen Jahrzehnten nutzen, um mit einem medienwirksamen Gesprächsangebot und netten Worten die Taten um jeden Preis zu vermeiden.

Eine Mitschuld an den Entwicklungen tragen in zahlreichen Fällen auch die Vereinsvertreter. Oftmals offenbarte ein Blick hinter die Kulissen, dass Vertreter der Vereine im Innenverhältnis gegenüber den eigenen Fanvertretern Verständnis und Zusagen geben, um innerhalb der Liga-/Verbandsversammlungen dann genau gegenteilig zu agieren. Auch fehlt es hier ganz klar an einer lösungsorientierten Vernetzung und Eigeninitiative. Insbesondere in der Causa um die 50+1-Regel zeigte der Vorstoß des Vertreters vom FC St. Pauli eindrucksvoll, dass es unter den Vereinsvertretern deutlich Spielraum für mehr Eigeninitiative gibt, der noch ungenutzt ist. Die Vereinsvertreter sind mit Nichten die Abnicker von kommerziellen Plänen der Deutschen Fussball Liga, die allein aus Selbsterhaltungszwecken die Vermarktung der Ware Fussball vorantreiben muss. Die Vereinsvertreter sind die, die Werte und Wünsche der Basis aus Mitgliedern und Fans ihrer Vereine vertreten sollen.

Nur wenige Tage nach dem zweiten Gespräch stellte sich heraus, dass ab der Saison 2018/2019 sogar die 3. Liga einen Montagsspieltag haben wird, was im Rahmen des Gesprächs zu keinem Zeitpunkt seitens der Verbände angebracht wurde, obwohl mit Thomas Schneider eine selbsternannte Person mit der Kernkompetenz Faninteressen vertreten war. Alleine hier hätte die Brisanz des Themas auffallen müssen. Stattdessen wurde mit einer Pilotphase für die einheitliche Behandlung von Fanutensilien ein neuer Papiertiger geschaffen, der bis heute keine Ergebnisse vorzuweisen hat. In puncto Sportsgerichtbarkeit goss der DFB seine bisher intransparenten Strafen in horrenden Höhen lediglich in Formen und manifestierte sein willkürliches Ersatzstrafrecht in einem Strafenkatalog. Auch hier kann weder von einer Verbesserung im Sinne von Vereinen und Fans keine Rede sein. Von Transparenz fehlt weiterhin jede Spur, was auch die bis heute mangelnde Aufklärung der Causa Beckenbauer in Zusammenhang mit den Sommermärchen-Millionen oder im Falle des Funktionärs Curtius sehr eindrucksvoll widerspiegelt. Die vermeintliche Neurregelung der Regionalligen wurde in einem Hauruckmanöver zu einem Glücksspiel umfunktioniert, anstatt eine klare Regelung zu finden. Wir können diese Liste Punkt für Punkt abarbeiten um letztendlich unter dem Strich festzuhalten: Dem DFB und der DFL sind sich weder dem Gegenwert dieser ausgestreckten Hand der Fanszenen Deutschlands, noch den Konsequenzen dieser mangelnden Wertschätzung der Basis in den Stadien bewusst. Stattdessen manifestierte sich viel mehr der Eindruck, dass der Fussballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen.

Aus diesem Grund sehen wir keine andere Möglichkeit, als die Gespräche mit sofortiger Wirkung zu beenden und den Protest noch engagierter als zuvor in die Stadien zu tragen.

Wir sind weiterhin bis in die Haarspitzen motiviert, uns für die Grundwerte des Fussballs und gegen eine weitere Entfremdung des Fussballs durch Korruption, Gutsherrenmachenschaften und Kommerzialisierung einzutreten. Wir sehen es mehr denn je als unsere Verantwortung gegen den DFB und die DFL aufzustehen und wissen zehntausende Unterstützer in den Kurven des Landes hinter uns.

Ihr werdet auch in dieser Saison von uns hören!

Die Fanszenen Deutschlands im August 2018

Hafenblatt 3

Beim ersten Heimspiel der Saison 2018/2019 gegen Wuppertal habt ihr die Möglichkeit Restbestände unserer dritten Auflage des Hafenblatt’s für 3€ am Stand zu erwerben!

 

Neues Polizeiaufgabengesetz in Bayern stoppen!

Mit Sorge blicken wir als Fußballfans derzeit nach Bayern. Voraussichtlich im Mai will die dortige Landesregierung über ein neues Polizeiaufgabengesetz (PAG) abstimmen. Die Gesetzesnovelle beobachten wir bundesweit mit großer Skepsis. Wir befürchten: Das Gesetz könnte für andere Bundesländer Signalwirkung haben – und es wird uns auch als Fußballfans betreffen.

Um was geht es?

Das Gesetz soll die Befugnisse der Polizei in Bayern massiv erweitern. Konkret führt der derzeitige Entwurf den Begriff der sogenannten „drohenden Gefahr“ ein. Das bedeutet: Sobald die Polizei vermutet, dass eine Person zukünftig Straftaten begehen könnte, kann sie umfassende Maßnahmen einleiten. Dafür muss man in der Vergangenheit keine Straftaten begangen haben. Faktisch stellt das neue Gesetz jeden Bürger unter Generalverdacht. Geht es so durch wie derzeit geplant, hätte die Polizei in Bayern nahezu grenzenlose Befugnisse.

•Die Polizei dürfte auf reinen Verdacht Orts-, Aufenthalts-, und Kontaktverbote aussprechen.
•Die Polizei dürfte auf reinen Verdacht elektronische Fußfesseln gegen mögliche „Gefährder“ aussprechen.
•Die Polizei dürfte auf reinen Verdacht die Telekommunikation anzapfen – und das zum Beispiel auch in eigentlich verschlüsselten Nachrichten und Chats.
•Die Polizei dürfte auf reinen Verdacht Postsendungen abfangen.
•Die Polizei dürfte in Echtzeit Kameradaten auswerten und die Leute auf den Aufnahmen identifizieren. Zudem sollen Einsatzkräfte mit sogenannten „Bodycams“ ausgestattet werden.
•Die Polizei hätte die Möglichkeit, beispielsweise über Drohnen, Videos von „Verdächtigen“ zu filmen, ihre Handydaten zu speichern oder ihre Telefon- und Internetverbindungen zu kappen.
•Die Polizei dürfte nicht mehr nur Maschinengewehre und Handgranaten einsetzen, sondern auch Sprenggeschosse, die aus Schusswaffen verschossen werden können.
Was geht uns das an?

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass das Gesetz bundesweit Schule machen könnte. Heute Bayern, morgen Deutschland. Andere Bundesländer, wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, sollen bereits über die Einführung ähnlicher Gesetze nachdenken.

Hinzu kommt, dass wir als Fußballfans nahezu alle vom neuen PAG betroffen sind. Spätestens dann nämlich, wenn wir selbst zu Auswärtsspielen nach Bayern reisen. Schon jetzt treten die Einsatzkräfte dort häufig aggressiver auf, als in anderen Bundesländern. Wir fragen uns: Wie wird das erst mit den erweiterten Befugnissen sein? Schließlich macht das Bayerische Innenministerium gar keinen Hehl daraus: Der Begriff der „drohenden Gefahr“ soll nicht nur auf dem Gebiet der Terrorabwehr gelten. Bedeutet konkret: Auch wir als Fußballfans werden früher oder später unter die Kategorie potenzieller Gefährder fallen. Nicht weil von uns tatsächliche Gefahr ausginge, sondern weil die Polizei in uns „drohende Gefahr“ ausgemacht haben will. Noch ist zudem völlig unklar, wie weit das bayerische Gesetz tatsächlich reichen würde. Wenn eine Mannschaft aus einem anderen Bundesland in den Freistaat reist – dürfte die Bayerische Polizei dann möglicherweise auch die Handys der Gästefans anzapfen? Geht das neue Gesetz in Bayern durch, wäre die Büchse der Pandora hin zum Polizeistaat tatsächlich geöffnet.

Uns ist natürlich bewusst, dass wir als Fußballfans in Deutschland – mit Ausnahme der bayerischen Szenen – nur indirekt Einfluss auf die Politik im Freistaat nehmen können. Es ist uns dennoch wichtig ein gemeinsames Zeichen zu setzen. Das Thema ist von zu großer Bedeutung und Signalwirkung, um es nur regional auszufechten.

Wir fordern deshalb: Neues Polizeiaufgabengesetz stoppen!

Die Fanszenen Deutschlands
April 2018

Die Zukunft des Fußballs beginnt jetzt – und wir müssen sie gestalten!

Was ist passiert?
Nach dem offiziell von Martin Kind ruhend gestellten Antrag auf Ausnahme der 50+1-Regel für sich und Hannover 96 soll die 50+1-Regel nun von allen DFL-Clubs „modifiziert“ werden. Für eine solche Modifizierung werden 24 von 36 Stimmen, also eine 2/3-Mehrheit, aller DFL-Mitglieder (=Clubs) benötigt. Martin Kinds Problem wird somit zum Problem aller Fans und Vereine. 
 
DFL und DFB haben nichts verstanden! 
Die Grundsatzdiskussion zur 50+1-Regel wurde nach jahrelangen Diskussionen mit 36:0 Stimmen aller DFL-Clubs 2014 zum Abschluss gebracht. Seit 2014 ist eigentlich überhaupt nichts passiert, schon gar nicht seit August 2017, wo es noch von DFB und DFL großspurig hieß: „Wir haben verstanden“. Nur Martin Kind konnte man nicht wie erwartet durchwinken. Ein Erfolg aller Fans-bundesweit!
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert will das Fass jetzt wieder öffnen und initiiert eine „Grundsatzdebatte zur 50+1-Regel“, um nicht nur Kind, sondern allen Investoren eine Übernahme zu ermöglichen, ob sie nun Kind, Kühne, Isamaik oder sonst wie heißen. Damit steht fest: Seifert, Grindel & Co haben überhaupt nichts verstanden. Sie glauben ernsthaft, die Fans hintergehen zu können, indem sie Wasser predigen und Wein saufen! 
 
Was ist das Ziel der angestrebten Modifizierungen?
Im Klartext: nichts weiter als das faktische Ende von 50+1 in Deutschland durch die Hintertür. Denn jetzt wollen natürlich auch andere Investoren die Diskussion nutzen, mit Hilfe williger Club-Bosse (wenn nicht sowieso identisch) „ihre“ Clubs von der vermeintlichen 50+1-Geißel zu befreien und dafür nicht erst 20 Jahre lang eine erhebliche Förderung nachweisen zu müssen. Eine 5-Jahres-Frist, wie sie in der freien Wirtschaft für „Heuschrecken“-Investoren üblich ist, wurde bereits ins Spiel gebracht.
Die neuerdings gerne gebrauchte und harmlos klingende Aussage, es solle doch jeder Verein selbst über 50+1 entscheiden, bedeutet letztlich nichts anderes. Wenn ein Verein selbst und nicht mehr die DFL entscheiden, ob ein Investor übernehmen darf oder nicht, sobald sich der Verein als gefördert „ansieht“, sind nicht nur Kind und Ismaik am Ziel ihrer Bestrebungen.
Steht dabei die Vereinssatzung im Weg, wird man schon dafür sorgen, dass die Abstimmungsergebnisse passend gemacht werden, und sei es durch Geschenke an Einmal-Wähler (Trikot für Stimme) wie in Hamburg und Stuttgart unlängst geschehen. Wie es bei 1860 München aktuell ohne eine ernsthaft gelebte 50+1-Regel aussehen würde, kann sich jeder selbst ausmalen. 
 
Wieso ist das jetzt wichtig für alle Fans und Fanszenen in Deutschland?
Die jetzt schon offensichtliche Schere zwischen arm und reich im Fußball würde noch größer werden als ohnehin schon. Investoren würden sich naturgemäß zuerst für die großen Clubs interessieren. Für Traditionsclubs, Zweitligisten oder gar noch niedriger spielende Clubs, die sich dem Ausverkaufswettbewerb nicht anschließen wollen, würde das letztlich bedeuten, dass es für sie noch unmöglicher würde, zur Spitze aufzuschließen.
Wenn die Großen noch größer werden und die Ab- und Aufstiegsplätze mehr denn je schon vor Saisonbeginn feststehen, werden sich die kleinen, oft überschuldeten Clubs in Ihrer Verzweiflung dann doch mit dem arabischen, amerikanischen, russischen oder chinesischen Investor ins Bett legen, um die Abkürzung zu nehmen. RB Leipzig lässt grüßen.
Dass dadurch auch Eintrittspreise steigen oder Trikotfarben den Hauptsponsoren angepasst werden ist so klar wie die damit verbundenen Veränderungen für die Fanszenen, die oft beschworene Fankultur und das soziale Mengengefüge im Stadion. Die billigste Dauerkarte bei Arsenal London kostete schon 2013 über 1.000 EUR. Nicht umsonst pilgern jedes Wochenende Hunderte Fans aus dem Ausland wegen bezahlbarer Eintrittskarten und guter Stimmung in Deutschlands Stadien. 
 
Wie soll das Ziel erreicht werden, 50+1 abzuschaffen?
Namhafte und weniger namhafte Persönlichkeiten wie Christian Seifert, Christoph Schickhardt (umtriebiger Fußball-Anwalt vieler Clubs), Alfred Draxler (Bild) und Rainer Franzke (Kicker) sowie diverse Club-Funktionäre werden ihre aufgehübschten alternativen Ansichten von 50+1 massiv bewerben.
Mit wertlosen Brotkrumen, die größtenteils selbstverständlich sein sollten und auch problemlos ohne eine Diskussion um 50+1 festschreibbar wären (z.B. Verbote zur Änderung von Vereinsfarben oder ein Umzug von Clubs in eine andere Stadt), wird man dabei versuchen, die Fans zu gewinnen. Ziel ist es, die de facto Abschaffung von 50+1 salonfähig zu machen. 
 
Was muss man tun, um dem entgegenzuwirken?
Es ist eindeutig der sportpolitisch wichtigste Kampf der Fans in naher Zukunft, da deren Ausgang zwangsweise Einfluss auf unseren Fußball in zehn, zwanzig, dreißig oder vielleicht auch schon zwei Jahren haben wird und auf unsere Mitbestimmungsmöglichkeiten in den Vereinen (noch) mit Bindung zu den Profis.
Wird 50+1 ausgehöhlt, öffnet sich die Büchse der Pandora. Es ist dann keine Frage mehr ob, sondern wann englische/spanische/französische Verhältnisse im deutschen Fußball einkehren.
Der Gegenwind der Fans muss massiv und dauerhaft sein, um Wirkung zu zeigen. Augen zu und durch – das gelingt vielleicht im Kleinen, aber nicht, wenn der Gegenwind alle Stadien in irgendeiner Form erfasst und damit das gesamte „Premiumprodukt“ der DFL. Bleibt der Gegenwind dagegen aus, haben die 50+1-„Putscher“ freie Hand. Den Verantwortlichen bei DFB und DFL sowie in besonderem Maße auch in den (ausgelagerten) Clubs und Vereinen muss klar werden, dass sie massiver Widerstand erwartet, wenn sie sich auf das durchschaubare Spiel einlassen.
Parallel dazu sollten alle Fanszenen dafür sorgen, Einfluss in ihren Vereinen zu erlangen und dort Verantwortung zu übernehmen. Wer kein Vereinsmitglied ist, kann keinen Einfluss nehmen und wer keinen Einfluss nehmen kann, gibt seine Mitbestimmungsrechte auf. 
 
Das Wichtigste jetzt:
Keine neue Grundsatzdebatte zu 50+1!
Die 50+1-Regel und die Kriterien für eine Ausnahmegenehmigung sind nicht verhandelbar!